Abstimmung 0.0/5 (0 Sterne)
(Göttinger Tageblatt vom 6.2.2007)
Königs-Posing im Hintergrund
Benefizkonzert der Blauen Sänger in der Aula der Universität
Göttingens älteste studentische Musikvereinigung, die Blauen Sänger, gab am Sonntagabend in der Aula der Universität ein Benefizkonzert zugunsten des Aufbaus der Bodenfelder Synagoge in Göttingen. Aufgeführt wurden vom Chor Jazzstücke a cappella sowie vom Orchester Werke von Gluck und Beethoven.
Von Hermann Hillebrecht
Um es vorweg zu sagen: Wer meinte, den sängerischen Teil mit Jazz-Arrangements auslassen zu können, hat etwas verpasst. Chorleiter Hans Koch stellte so etwas wie Workshop-Atmosphäre her, gab jeweils Einführungen in die folgenden Stücke und erläuterte dem Publikum in der leider nicht voll besetzten Aula anschaulich, was beispielsweise Charly Parker aus dem Jazz gemacht hat.
„Come and stay a while“ bat der Chor, und die Zuhörer waren gefangen von der Homogenität der jungen Stimmen, der disziplinierten Intonation und der sauberen Artikulation. Der kurzweilige Musikunterricht kam von den Swingle Singers – „All the things you are“ – geradezu zwangsläufig zu Johann Sebastian Bachs „Es ist genug“.
Chormusik der Extraklasse
Das Posing der hannöverschen Könige im Hintergrund kontrastierte dazu auf das Entzückendste. „Es kommt noch die Schnulze, muss ja auch mal sein“ kündigte Koch „When I fell in Love“ an. Dann wurde es heiß: „Fever“, einfach zu hören, schwer zu singen. Den Königen war anzusehen: Majestätische Pose ist bei der Musik nur mit Mühe zu wahren. Chormusik der Extraklasse.
Nach der Pause die Ouvertüre zu Glucks Reformoper „Alceste“ und das Klavierkonzert Nr. 1 op. 15 von Ludwig van Beethoven, Solist Michael Lörcher, Dirigent Ulrich Witt. Ambitioniert für ein Laien-Orchester und für ein Laienorchester auch bravourös gelöst. Ein wenig mehr Differenzierung in der Lautstärke hätte beiden Werken gut getan. Zudem ging man im zweiten Satz des Klavierkonzerts kurzzeitig getrennte Wege.
Am Ende Riesenapplaus für alle Mitwirkenden, Dank des Fördervereins Jüdisches Zentrum. Als Zugabe, passend zum Ort „Gaudeamus igitur“ in der Klavierbearbeitung von Franz Lizst. Ein solistisches Schmankerl.
(Göttinger Tageblatt vom 6.2.2007)
Zu Favoriten hinzufügen (13) | E-Mail
Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben. Bitte melde Dich an oder registriere Dich. Powered by AkoComment Tweaked Special Edition v.1.4.3 AkoComment © Copyright 2004 by Arthur Konze - www.mamboportal.com All right reserved |