Abstimmung 0.0/5 (0 Sterne) Die Blauen Sänger im Deutschlandfunk - "Campus & Karriere" vom 6. August 2007
Musikzieren geht über Studieren
Die Blauen Sänger in Göttingen
Von Carolin Hoffrogge
Während
des Studiums nicht immer nur über den Büchern hocken, sondern gemeinsam
mit anderen Studierenden musizieren oder Theater spielen? Das bieten
die musischen Verbindungen des Sondershäuser Verbandes. Schon seit 1867
gibt es diesen Verband, damals als studentische Verbindung zwischen
Berlin und München im thüringischen Sondershausen gegründet.
Mittlerweile gibt es 24 singende und Theater spielende Verbindungen
deutschlandweit, zum Beispiel die Blauen Sänger in Göttingen.
Dirigent
Ulrich Witt steht von dem Symphonieorchester der Blauen Sänger in
Göttingen. Im großen barocken Saal ihres herrschaftlichen
Verbindungshauses proben die 30 Musiker Beethovens Coriolan Ouvertüre,
denn am Wochenende steht ein Konzert an. Ulrich Witt ist nicht nur
Dirigent des Symphonieorchesters, sondern gleichzeitig Pressesprecher
des Sondershäuser Verbandes.
Der
Sondershäuser Verband ist der einzige bundesweite studentische
Kulturverband, das heißt wenn man als Studierender über seine
Universitätsgrenzen hinaus Kultur machen will und eine Organisation
sucht, die einem dabei helfen kan, dann muss man fast zwangsläufig zu uns kommen.
Traditionsbewusst
sind sie die 22 musischen Verbindungen des Sondershäuser Verbandes
allemal. Aber sie sind auch modern und offen, schließlich wird in
keiner dieser Verbindungen geschlagen, zudem sind Frauen jederzeit
herzlich willkommen. Zu gemeinsamen Konzerten besuchen sich die Musiker.
Wir haben zum Beispiel in München den akademischen Gesangverein
München, wir haben in Frankfurt die Akademisch Musikalische Verbindung
Waltaria, in Darmstadt haben wir die Musische Gruppe Auerbach. Was
noch? Unsere Damenverbindung jetzt in Hamburg. Wir sind schon ein buntes
Völkchen.
Jazz, Soul, klassische Musik, modernes Theater:
die Studierenden, die sich in den musischen Verbindungen des
Sondershäuser Verbandes engagieren, haben eine breite Auswahl, meint
Ulrich Witt, zum Beispiel bei den Blauen Sänger in Göttingen.
Wir sind heute noch in Göttingen diejenigen, die das breiteste
Kulturprogramm anbieten. Wir haben vier stehende Ensembles: Chor, Big
band, Theaterensemble, Symphonieorchester. Das hat nicht einmal die Universität.
Dieses
breite Kulturangebot der Blauen Sänger Göttingen hat vor knapp 50
Jahren auch schon Heinz Ludwig Arnold überzeugt. Heute ist
Germanistikprofessor Arnold Vorsitzender der Bundesakademie für
kulturelle Bildung Wolfenbüttel und besucht immer noch die Aufführungen
seiner studentischen Verbindung der Blauen Sänger.
1961
habe ich hier in Göttingen angefangen zu studieren und mein Vater
wollte das ich da reingehe. Ich wollte eigentlich nicht, aber dann habe
ich mir den Laden angeguckt, fand den wirklich gut, weil es gab da ein
großes Orchester, damals gab es zwei Chöre, eine kleine Band, die Jazz
gespielt hat und ich selbst habe eine Theatergruppe gegründet. Also
eine rein musivische Veranstaltung. Wir hatten damals auch einen ganz
netten Slogan, der hieß: "Wir schlagen nur mit dem Taktstock", um uns
abzusetzen, von den schlagenden Verbindungen.
Mit einer
schlagenden Verbindung hat auch Markus Kerbaum nichts am Hut. Der
29-jährige lernt gerade für sein 1.Staatsexamen in Jura. Er hat die
Blauen Sänger Göttingen immer als einen hochwertigen Kulturverein
erlebt. Seit Beginn seines Studiums vor fünf Jahren ist Markus bei den
Blauen Sängern aktiv.
Das ich einen
alten Musikfreund hatte, der auf dem Haus gewohnt hat und ich
angefangen habe und ein Zimmer suchte und ich das Ganze dann gleich als
musikalische Wohngemeinschaft, als WG erfahren hatte, mit viel Musik
und drum und dran und auch Ablenkung zum Studium und so kam das ganz
bewusst. Jetzt gerade im Examen ist das sehr schön, Musik zu machen und
einen Anlaufpunkt zu haben, auch wenn man nicht mehr auf dem Haus
wohnt. Das ist sehr angenehm.
So wie dem 29 jährigen
Markus geht es auch der Medizinstudentin Ulrike Wolfeneck. Ihre braunen
Augen leuchten, wenn sie von ihrer Entdeckung der Blauen Sänger
spricht. Sie singt im Chor und spielt in der Theatergruppe.
Absolute Abwechselung. Wenn ich die Musik nicht nebenbei hätte, dann
würde ich sicherlich öfter mal querdrehen. Die ganze Zeit über den
Büchern zu hängen, würde man gar nicht ertragen. Wenn ich nicht wüsste,
Montagabend gehe ich zum Chor, da sehe ich Leute aus so vielen
verschiedenen Semestern auch. Die haben alle ihre eigenen Nöte und
Sorgen, kommen aber zusammen, um Musik zu machen.
(entnommen von http://www.dradio.de/dlf/sendungen/campus/654490/ )
(Den Beitrag zum Nachhören als .mp3 gibt es unter dieser Adresse:
http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2007/08/06/dlf_20070806_1452_6471323f.mp3 )
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