Abstimmung 0.0/5 (0 Sterne) Offener Brief des Sondershäuser Verbandes zur Wahrung der Kulturlandschaft in Thüringen
Vor genau einem halben Jahr, am 6. Juli 2006, veröffentlichte das Kultusministerium des Landes Thüringen ein Konzeptpapier zur zukünftigen Finanzierung der Theater und Orchester im Freistaat. Die Gespräche, die seit dem Bekanntwerden des Konzeptes des Kultusministeriums mit den Trägern der Einrichtungen laufen, sind bisher ohne jegliche Ergebnisse.
Der Sondershäuser Verband Akademisch-Musikalischer Verbindungen (SV) sieht diese Entwicklung mit großer Sorge, da er befürchte, dass diese Verzögerung aufgrund langfristiger vertraglicher Bindungen zulasten der kleinen Theater und Orchester in Thüringen geht. Deswegen hat sich der Sondershäuser Verband entschieden, einen Offenen Brief an das Kultusministerium des Freistaates Thüringen sowie die Theater und Orchester in Thüringen zu schicken, in dem er die Verantwortlichen nachdrücklich dazu aufruft, möglichst rasch die notwendigen Entscheidungen zu treffen, die nötig sind, die Theater- und Orchesterlandschaft Thüringens in seiner jetzigen Breite und Vielfalt in allen Regionen des Freistaates zu erhalten. Den vollständigen Wortlauf des Offenen Briefes, der gleichzeitg zur Kenntnisnahme an die Staatkanzlei des Freistaates Thüringen, den Landesmusikrat Thüringen, den Deutschen Musikrat, sowie als Pressemitteilung verschicken, lautet wie folgt:
An
das Kultusministerium des Freistaates Thüringen,
die Theater und Orchester in Thüringen, sowie
zur Kenntnis an
die Staatkanzlei des Freistaates Thüringen,
den Landesmusikrat Thüringen, sowie
den Deutschen Musikrat,
zugleich
Pressemitteilung
Sehr geehrte Damen und Herren,
vor genau einem halben Jahr, am 6. Juli 2006, veröffentlichte das
Kultusministerium des Landes Thüringen ein Konzeptpapier zur
zukünftigen Finanzierung der Theater und Orchester im Freistaat. Ziel
ist es, den Gesamtrahmen der Landesförderung für laufende Zwecke ab
2009 auf den Betrag von 50 Mio. € zu beschränken. Dieses entspricht im
Vergleich zu den jetzigen Ausgaben einer Kürzung um rund 17%. Die durch
das Kultusministerium bisher veröffentlichten Zahlen lassen befürchten,
dass dabei insbesondere kleinere Häuser und Ensembles den Sparzwängen
geopfert werden sollen. So sollen z.B. die gemeinsamen Mittel für den
Verbund Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen um rund 70% auf
1,5 Mio. € gekürzt werden. Diese Kürzungen von 3,4 Mio. € entsprechen
nicht nur einem Drittel des Gesamtvolumens des Sparkonzepts, sondern
bedeuten auch das faktische Aus für das Theater
Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen. Die Schließung dieser letzten
Einrichtungen dieser Art in Nordthüringen bedeutet aber auch die
Entlassung einer ganzen Großregion aus dem kulturellen Verband eines
Bundeslandes. Die Gespräche, die seit dem Bekanntwerden des Konzeptes
des Kultusministeriums mit den Trägern der Einrichtungen laufen, sind
bisher ohne jegliche Ergebnisse.
Der Sondershäuser Verband Akademisch-Musikalischer Verbindungen (SV)
als derzeit einziger bundesweiter studentischer Kulturverband in
Deutschland sieht diese Verschleppung einer Entscheidung mit großer
Sorge. Zu Recht steht zu befürchten, dass aufgrund langfristiger
vertraglicher Verpflichtungen gerade der großen Häuser und Ensembles
schon jetzt finanzielle Verpflichtungen entstehen, die letztendlich
zulasten der Finanzierung der kleineren Theater und Orchester gehen. Dieses
hätte aus unserer Sicht nicht nur schon jetzt die faktisch unabwendbare
Schließung von Häusern und Abwicklung bestehender Ensembles und Häuser
zur Folge, sondern bedeutet unweigerlich auch die Zerstörung einer in
Europa einmaligen und unvergleichlichen Kulturlandschaft. Diese
Gefahr ist um so größer einzuschätzen, als damit genau jene
Einrichtungen verloren gehen, die zugleich auch für die kulturelle
Bildung und Ausbildung der Jugend heute und in späteren Generationen
dringend notwendig sind.
Laut den offiziellen Verlautbarungen beabsichtigt das
Kultusministeriums, »an allen bisherigen Standorten ein möglichst
breites Angebot in den Sparten „Musiktheater“, „Schauspiel“,
„Ballett/Tanztheater“ und „Konzerte“ dauerhaft und von hoher
künstlerischer Qualität zu gewährleisten.« Der
Sondershäuser Verband Akademisch-Musikalischer Verbindungen (SV)
kritisiert ausdrücklich eine derart allein am Spielbetrieb
ausgerichtete Finanzierung der Theater und Orchester ab 2009, weil ein
derartiges Konzept die aktive musische Jugendausbildung durch die
Mitglieder dieser Einrichtungen in geradezu fahrlässiger Weise
vernachlässigt. Gerade die kulturelle Bildung und Ausbildung aber
wird zukünftig immer wichtiger werden. Nur durch sie erhalten den
Jugendlichen jene Kenntnisse und Fähigkeiten, die auch für den Umgang
mit ausländischen Mitbürgern und deren Integration unumgänglich sind.
Wer gelernt hat, sich aktiv und praktisch mit Kultur wie z.B. Musik und
Theater auseinander zu setzen, wird auch in der Lage sein, sich offen
im Umgang mit fremden Kulturen zu zeigen. Hierfür aber ist auch in
Thüringen eine flächendeckende Existenz von Kultureinrichtungen
zwingend erforderlich, denn die Mitglieder dieser Einrichtungen üben
eine essentielle Mittlerfunktion aus. Ein reines „Bespielen“ einzelner
Regionen, wie es das vorliegende Konzeptpapier zur Folge hätte, hieße
hingegen, der Jugend grundsätzliches Wissen und soziale Fähigkeiten zu
versagen. Aus unserer Sicht bedeutet dies, schon jetzt die
Integrationsprobleme zukünftiger Generationen zu befördern. Wir sind
daher der festen Überzeugung, dass auch über das Jahr 2008 hinaus die
Existenz von Theatern und Orchestern in allen Regionen Thüringens
unbedingt gewährleistet bleiben muss.
Der Sondershäuser Verband Akademisch-Musikalischer Verbindungen (SV)
fordert daher das Kultusministerium des Freistaates Thüringen sowie
alle Träger der Theater und Orchester in Thüringen nachdrücklich auf,
möglichst rasch die notwendigen Entscheidungen zu treffen, die nötig
sind, die Theater- und Orchesterlandschaft Thüringens in seiner
jetzigen Breite und Vielfalt in allen Regionen des Freistaates zu
erhalten – zum Wohle der Jugend in Thüringen und seiner Zukunft.
Mit freundlichen Grüßen
gez. Ulrich Witt
Pressesprecher und Mitglied des Vorstandes
des Sondershäuser Verbandes
Akademisch-Musikalischer Verbindungen (SV)
Offener Brief als .pdf-Version 114.66 Kb
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