Abstimmung 0.0/5 (0 Sterne) "Voller Orchestersound" - GT berichtet über Orchesterprobe
(Quelle: Göttinger Tageblatt vom 10. Juli 2009, S. 13)
Finnischer Schwung und „Mozart-Jazz“
Sommerkonzert mit Orchester und Chor der "Blauen Sänger"
von
Karl Friedrich Ulrichs
"Drei nach Heinrich!" – Die Augen der jungen Musiker springen in den
Noten zum Buchstaben H und eine halbe Zeile weiter. Das ist der
Einsatz, um den Schlussteil nochmals zu spielen, nachdem Dirigent
Ulrich Witt freundlich Korrekturen angebracht hat: Hier war jemand eine
Sechzehntel zu spät gekommen, da hatte ein Holzbläser eine Idee zu hoch
intoniert, das Blech möge doch die Viertel mehr klingen lassen und –
„Das gilt für alle!“ – lange Noten bitte „abphrasieren“. Intensiv wird
noch gearbeitet bei dieser letzten Probe vor den beiden Aufführungen
des Semesterprogramms, das das Orchester der musikalischen
Studentenverbindung „Blaue Sänger“ erarbeitet hat. Geschlagen wird in
dieser Verbindung nur die Pauke und die Farben, die zum Tragen kommen,
sind Klangfarben.
Zu den Verbindungsstudierenden (übrigens beiderlei
Geschlechts) gesellen sich Gäste. So findet sich die Medizinstudentin
neben einem Professor wieder. Die Probe im wunderbaren Saal des
Verbindungshauses beginnt mit viertelstündiger „Verspätung“, man ist
akademisch, versteht sich nach Uni-Orchester und Akademischer
Orchester-Vereinigung als drittes Orchester an der Georgia Augusta –
ein hoher Anspruch, dem das überaus ambitionierte Programm entspricht:
In Tschaikowskys „Sérénade mélancolique“ für Solovioline und Orchester
bedarf es für das große Sentiment der Violine eines großen
Selbstbewusstseins. Darüber verfügt Nana-Maria Heida – und auch über
die nötigen technischen Fähigkeiten. Die Bläserserenade Es-Dur von
Richard Strauss ist eine heikle Musik, die jedes Intonationsproblem
offen legt.
Feiner Hornklang
Lyrisch führt die erste Flöte die Serenade zu Ende. Bei Tschaikowsky
und Strauss macht sich das Fehlen einiger wichtiger Instrumentalisten
an diesem Probenabend bemerkbar. Der Dirigent müht sich, die Klänge zu
Orchestermusik zusammen zu binden. An den Tempi, an rhythmischen Tücken
muss noch gearbeitet werden. Mancher Einsatz wackelt, einiges klingt
verzagt. Und wie bei allen Liebhaberorchestern ist der
technisch-instrumentale Leistungsstand unterschiedlich. Nicht jedem
gelingt ein so feiner Klang wie dem Horn (Christoph Damm).
Aber dann
Mozart! Die Ouvertüre zur Zauberflöte zeigt, dass diese Musik den
jungen Leuten liegt und Spaß macht. Beim zweiten Durchgang werden die
Synkopen – „Mozart-Jazz“, nennt sie der Dirigent – wirklich schmissig
gespielt, da ist Spielfreude, Spannung in der Musik. So auch bei der
Karelia-Suite von Jean Sibelius: Musik mit volkstümlichem Rumms. Im
ersten Satz rahmen zarte Hornklänge über Streichergeflirre einen von
den Blechbläsern überzeugend gespielten Marsch. Voller Orchestersound,
den Ulrich Witt liebt und zu gestalten weiß.
Der Sibelius wird am Wochenende das große Finale. Allem Augenschein
nach freuen sich die jungen Leute selbst schon darauf. Für ihren
musikalischen Mut wird man sie bewundern. Zu hoffen ist, dass dieser
Mut durch gelungene und gut besuchte Konzerte belohnt wird.
Die beiden
Aufführungen des Sommerkonzerts von Orchester und Chor der „Blauen
Sänger“ in Göttingen finden statt am Sonnabend, 11. Juli, um 16 Uhr im
Verbindungshaus, Düstere-Eichen-Weg 26, und am Sonntag, 12. Juli, um 19
Uhr in der Alten Fechthalle, Geiststraße 5.
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